© Bettina Sangerhausen

Regionalbischof Gorka zum Abschiedsbesuch per Video in der Kirchenkreiskonferenz Münden

Thu, 14 Jan 2021 08:14:23 +0000 von Bettina Sangerhausen

© Sprengel/Jens Schulze
Eckhard Gorka
Altkreis Münden. Zuversichtlich, aber auch nachdenklich zeigte sich Regionalbischof Eckhard Gorka, als er diese Woche an der Kirchenkreiskonferenz Münden teilnahm – per Video übers Internet. Es war sein Abschiedsbesuch im Evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Münden, der wegen des Lockdowns nicht persönlich, sondern nur virtuell stattfinden konnte. Regionalbischof Gorka wird Ende Januar in den Ruhestand gehen.
In den 40 Jahren, die er nun dabei sei, habe er Kirche nie als etwas Statisches erlebt, sondern immer als „Kirche in Veränderung, „wir sind mit der Kirche als Zeltstadt unterwegs, mit leichtem Gepäck“, beschrieb er es. Er traue den Voraussagen der „Projektion 2060“ nicht:  Diese Berechnung des Forschungszentrums Generationenverträge (FZG) der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg besagt, dass sich bis zum Jahr 2060 die Zahl der Mitglieder in der evangelischen und der katholischen Kirche in Deutschland halbieren werde. Diese Prognose, so Gorka, sei ein rein „arithmetischer Vorgang, der das Handeln Gottes nicht berücksichtigt“. Die Entwicklung könne am Ende in der einen oder der anderen Richtung abweichen. Er jedenfalls hat „einen Hoffnungsüberschuss“ durch seinen Glauben und setzt auf eine positivere Wendung.

Für ihn zählen alle Getauften, nicht nur die, die noch Mitglied sind, „das vom Herrn geführte Taufregister ist größer als die Standesamtsstatistik“. Es bereite ihm Kummer, dass es nicht gelungen sei, Kirchenmitgliedschaft neu zu beschreiben. „Wieviel verstecktes Christentum es gibt, wissen wir gar nicht.“

Für viele Menschen zwischen 30 und 60 sei der Gottesdienst aus dem Blick geraten. Und wenn heute weniger Jugendliche zum Konfirmandenunterricht angemeldet werden als früher, dann liege das nicht an den Jugendlichen, sondern sei eine Auswirkung des Handelns seiner eigenen Generation.

Als klaren Auftrag der Kirche nennt er „dem Evangelium den Weg in die Gesellschaft zu bahnen.“ Der Gottesdienst, „sowohl am Sonntag als auch im Alltag der Welt“, sei die zentrale Aufgabe. Daher ist er auch froh, dass trotz der Pandemie zu Weihnachten Gottesdienste gefeiert werden konnten. Bei diesen Veranstaltungen der Landeskirche habe sich übrigens niemand infiziert.

In den vergangenen Monaten sei viel Kreativität geflossen, sagte Gorka im Hinblick auf die Alternativangebote der Gemeinde zu Corona-Zeiten. Das bewertet er positiv, etwa, um so die „Digital Natives“ zu erreichen, Jugendliche zum Beispiel. Doch dürfe Kirche nicht ausschließlich in diesen sozialen Räumen unterwegs sein, die ganz reale Gemeinde vor Ort hat für ihn einen hohen Stellenwert. Der Pastor oder die Pastorin aus der eigenen Gemeinde sei bekannt, und jeder von ihnen stehe für die ganze Kirche.

Ein letztes Mal hatten die Teilnehmer*Innen der Kirchenkreiskonferenz die Gelegenheit, Eckhard Gorka direkt Fragen aus ihren eigenen Bereichen zu stellen und mit ihm zu diskutieren – und nutzten diese.

Superintendent Thomas Hennig verabschiedete Regionalbischof Gorka mit den Worten, der Sprengel Hildesheim-Göttingen sei der größte der Landeskirche, „ich hätte zu keinem Zeitpunkt mit Ihnen tauschen wollen“. Er charakterisierte Gorka als jemanden, der sein Amt, den Glauben zu fördern, nie aus dem Blick verloren habe. Das Abschiedsgeschenk gab es virtuell auch schon: Ein Aufenthalt im Kloster Bursfelde.

Dabei wird Eckhard Gorka in Kürze noch einmal in den Kirchenkreis kommen: Am 6. Februar übernimmt er die Ordination von Ann-Kathrin Wehling in Gimte, die halb Pastorin in Gimte wird und mit der anderen Hälfte Pastorin für Kinder- und Jugendarbeit.

(Zu Informationen über die zitierte Studie geht es hier: https://www.ekd.de/kirche-im-umbruch-projektion-2060-45516.htm )