© Bettina Sangerhausen

Mitgefühl schenkt Leben

Sun, 18 Jul 2021 06:43:21 +0000 von Ralf Heinemann

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Samstag, 17. Juli 2021, Mündener Allgemeine / NACHGEDACHT
Gundula Albroscheit Pastorin in Escherode/Nieste

Eine Sommergeschichte von besonderem Reiz handelt von Emilio Márquez aus Puerto Rico. Er ist seit einigen Tagen offiziell der älteste Mann der Welt. Emilio ist 112 Jahre und 336 Tage alt; er ist schon seit langem Witwer und hat vier Kinder.
Üblicherweise werden solche „Rekordhalter“ ja gefragt, wie sie das denn wohl „gemacht“ hätten mit ihrem „Rekord“. Wir hören dann freundliche bis eigensinnige Antworten. Die einen haben jeden Tag ein Glas Rotwein getrunken, andere haben täglich längere Spaziergänge gemacht oder nie Rotwein getrunken, aber jeden Tag ein Gläschen Bier. Ehepaare nach langer Ehezeit geben auch schon einmal an, welches Lieblingsessen möglicherweise ihre Ehezeit verlängert hat.

Das alles ist mehr oder weniger erheiternd und klingt immer ein wenig nach Rezept. Bei Emilio allerdings ist das anders gewesen. Das Geheimnis seiner Langlebigkeit, erklärte Emilio, liege im Mitgefühl.

Das ist, finde ich, eine eigenwillige und zugleich besonders schöne Antwort. Mitgefühl schenkt Leben, könnte man das vielleicht nennen. Nicht immer ein besonders langes Leben wie bei Emilio, aber immer ein aufmerksames Leben nicht nur für sich, sondern auch für andere.

Die Antwort von Emilio erinnert an einen Menschen, der zu Jesus kommt und ihn fragt (Lukas 10,25-37): Was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? Auch bei dieser Frage geht es nicht zuerst um die Länge des Lebens, sondern viel mehr um seine Tiefe, seinen Wert. Und als dieser Mensch dann – nach einer Rückfrage Jesu – sich selbst antwortet und zu Jesus sagt, er wolle gerne Gott und die Menschen lieben, sagt Jesus zu ihm: Tu das, so wirst du leben.

Mitgefühl schenkt Leben, macht lebendig und hält lebendig.