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Was kommt nach der Pandemie?

Sun, 09 Jan 2022 08:19:25 +0000 von Ralf Heinemann

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Samstag, 08. Januar 2022, NACHGEDACHT
Henning Dobers, Pfarrer bei der GGE Deutschland, Geistliche Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche

Kaum zu glauben aber wahr: Irgendwann wird die Pandemie vorbei sein. Wirklich, es wird der Tag kommen, an dem alles vorbei ist. Wir wissen zwar noch nicht genau wann und wie, aber irgendwann wird es soweit sein.
Die Deutschen lieben es ja, auf alles Mögliche vorbereitet zu sein. Jetzt sollten wir uns ausnahmsweise mal auf etwas Gutes vorbereiten. Das ist für die deutsche Seele ungewohnt, aber dringend nötig. Es geht um die Zeit nach der Pandemie.

Und ich habe auch einen Vorschlag dazu. Nachdem wir nun über längere Zeit eine „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ durchleben, brauchen wir aus meiner Sicht dringend einen „Tag der Versöhnung mit nationaler Tragweite“. Wir sollten keinesfalls einfach so zur Tagesordnung übergehen, wenn die Pandemie sich ausgewellt hat. Zu viel ist in den letzten Monaten und Jahren zerbrochen an Einheit, Gemeinschaft und Vertrauen. Zu viel Angst. Zu viele Vorwürfe. Zu wenig Zuhören. Zu viel Misstrauen. Zu viel Regelwut. Zu viel Aggression. Zu viel Verleumdung. Nahezu alle haben Fehler gemacht und sind mehr oder weniger schuldig geworden. Keiner kann von sich sagen, er hätte alles richtig gemacht. Familien, Freundschaften, Firmen –alle haben gelitten.

Ich finde, wir sollten schon jetzt ein Versöhnungsfest vorbereiten. Einen deutschlandweiten Feiertag, an dem wir einander ausdrücklich vergeben. Ein Tag, an dem wir uns ohne Maske vor dem Gesicht die Hand reichen, umarmen und gemeinsam neu anfangen. Ein Tag, an dem Gott gedankt und in allen Dörfern und Städten gefeiert wird.

Ein Tag, an dem überall für lange Zeit die Glocken läuten und wir von ganzem Herzen singen „Großer Gott, wir loben dich“. Jesus hat einmal gesagt: „Vergebt, so wird euch vergeben“ (Lk 6, 37). Nur so kann unsere Gesellschaft Heilung erleben und aus der Pandemie etwas Gutes werden.