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Neue Strukturen für den Kirchenkreis

Fri, 01 Apr 2022 06:49:14 +0000 von Bettina Sangerhausen

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Altkreis Münden/Nieste. Ein dickes Paket an Informationen erhielten die Mitglieder der Synode des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Münden in ihrer jüngsten Sitzung in Dransfeld: Finanzplan und Regionenentwicklung sind Stichworte, die im Hinblick auf den künftigen großen Kirchenkreis Göttingen-Münden eine entscheidende Rolle spielen. Arbeitsgruppen aus Mitgliedern beider Kirchenkreise präzisieren immer deutlicher, welche Änderungen ins Haus stehen (auf "Ganzen Beitrag anzeigen" klicken!).
Die neue Finanzsatzung für den großen Kirchenkreis soll bis Ende des Jahres fertig sein, skizzierte es Heinz Rüngeling, Finanzausschuss Münden, und nannte drei markante Ziele: Für die Verwaltung soll es einfacher werden,  die Gemeinden sollen mehr Freiraum für den selbstbestimmten Mitteleinsatz erhalten und die Verteilung der Finanzmittel soll gerechter werden. So müssten derzeit rund 25 Kriterien beachtet werden, nach denen den Gemeinden Geld zugewiesen wird (so genannte Grundzuweisung). Künftig sollen es nur noch drei sein. Das werde zunächst bedeuten, dass einigen Gemeinden nach der Reform weniger Geld zur Verfügung stehe als jetzt, anderen jedoch mehr. Um Härtefälle zu vermeiden, ist eine Übergangsregelung mit Ausgleichsmöglichkeiten von 2023 bis 2027 angedacht.

Steffen Creydt, Leiter des Kirchenkreisamtes Göttingen-Münden, erläuterte die Planungsvorgaben der Evangelischen Landeskirche Hannovers. Eine Prognose der Mitgliederzahlen bis 2060 gehe von einem Rückgang von zwei Prozent pro Jahr aus. Allerdings stammten diese Zahlen von vor der Corona-Pandemie und vor dem Ukraine-Krieg, schränkte Creydt ein. Die Zuweisungen der Landeskirche erfolgen nach Zahl der Mitglieder. 

Bis 2028 rechnet man in Göttingen-Münden mit durchschnittlich 2,32 % weniger Geld pro Jahr bei den Zuweisungen. Das ist eine steilere Kurve als der durchschnittlich vorherberechnete Mitgliederschwund, da für die Region in den nächsten Jahren auch ein etwas größerer als der durchschnittliche Mitgliederschwund errechnet wurde. 

Bezug nehmend auf Rüngelings Ausführungen sagte Creydt, ein Manko des jetzigen Zuweisungssystems bestehe darin, dass das finanziert werde, was da ist, ohne Anreiz zu geben, etwas Neues zu entwickeln. Das solle künftig anders werden, indem es etwa keine Unterscheidung nach einzelnen „Töpfen“ mehr gebe, sondern eine Summe, über die die Kirchengemeinde selbst entscheiden. 

Als Hauptgrund für den Mietgliederschwund nannte Superintendent Thomas Henning den demografischen Wandel. Die so genannte Alterspyramide, bei der eine breite Basis von jungen Menschen eine Spitze von alten Menschen trägt, sei schon lange keine Pyramide mehr. Im Kirchenkreis gebe es viele über 75-Jährige. 

Das hat nicht nur Auswirkungen bei den Mitgliedern, auch bei den Mitarbeiter*Innen: Die geburtenstarken Jahrgänge gehen bald in den Ruhestand, es gebe aber weniger Theologie-Studenten und Vikare als in den vergangenen Jahren. Es werde also eine Konkurrenz von freien Stellen auf dem Markt geben. Das heißt: Der Kirchenkreis muss seine eigenen Stellen möglichst attraktiv gestalten. 

Dazu müsse man die Kräfte bündeln, indem Kirchengemeinden sich zu Kirchengemeindeverbänden zusammeschließen und regional arbeiten. Kirchenmusik, Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Senioren und anderes mehr können dann im Verband geleistet werden. Der Kirchenkreis helfe beim Start in die regionale Zusammenarbeit, zum Beispiel durch Supervision, Workshops, Geld für Digitalisierung.

Superintendent Henning hatte zwei Denk-Modelle für die Regionenbildung im künftigen Kirchenkreis Göttingen-Münden im Gepäck. Dabei dienen einmal vier große, einmal sieben kleinere Regionen als Beispiel – was prompt zu regen Diskussionen unter den Synodalen führte. Während im Vierermodell die Regionen so groß sind, dass einzelne Gemeinden schon sehr weit auseinander liegen, besteht beim Siebener-Modell die Gefahr, dass diese bei anhaltendem Mitgliederschwund erneut zusammengelegt werden müssten. In den Gremien, so Synodenvorsitzender Dietmar Lambach, werde zurzeit genau das diskutiert. Noch sei alles völlig offen. Er rief die Synodalen dazu auf, die Denk-Modelle mit in ihre Kirchengemeinden zu tragen und ein Meinungsbild zu erstellen. 

Aus den Evangelisch-lutherischen Kirchenkreisen Münden und Göttingen wird ab 2023 der große Kirchenkreis Göttingen-Münden. Wie bisher wird es zwei Superintendenturen, eine in Göttingen und eine in Hann. Münden, geben, die sich die Arbeit untereinander aufteilen. Der Kirchenkreis Münden hat 15 Gemeinden, der Kirchenkreis Göttingen 58.

Vorstand wiedergewählt

Der neue Vorstand der Kirchenkreissynode Münden ist der alte: 
Vorsitzender ist Dietmar Lambach, stellvertretender Vorsitzender Andreas Risse, Beisitzer*Innen sind Angela Sohnrey, Roswitha Kamm und Lothar Schäfer. 
Er nehme das Amt wieder an mit „Demut und Respekt“, sagte Dietmar Lambach. „Ich danke Ihnen für die Wahl und freue mich auf die vor uns liegende Zeit.“ Mit dem Zusammenlegen der Kirchenkreise Münden und Göttingen und damit auch dem Zusammenlegen der synodalen Arbeit werde diese eine besonders spannende Zeit werden. Gern höre er auch konstruktive Rückmeldungen und Kritik, regte Lambach an, sich einzubringen. Der Synodenvorstand wird alle drei Jahre gewählt.