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Geistliche Prinzipien

Sat, 23 Jul 2022 18:01:59 +0000 von Ralf Heinemann

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NACHGEDACHT von
Pastor Henning Dobers,  Evangelisch-lutherischer Kirchenkreis Münden

Die kirchliche Trauung des Bundesfinanzministers in einer evangelischen Kirche auf Sylt beschäftigt die Gemüter. Die Meinungen darüber gehen auseinander.

Um es gleich vorweg zu sagen: Bei dieser Hochzeit geht es nicht ums Geld, sondern um viel mehr. Es geht um immaterielle Werte, um geistliche Prinzipien. Und die wurden gleich in mehrfacher Hinsicht verletzt.
Niemand muss kirchlich heiraten. Man kann auch ohne kirchliche Trauung eine gesegnete Ehe führen, weil sie Teil der Schöpfungsordnung Gottes ist.

Wer jedoch vor den kirchlichen Traualtar tritt, verspricht damit ausdrücklich, die Ehe nach Gottes Gebot und Verheißung, also nach christlichen Grundwerten, zu führen.

Bei einer kirchlichen Trauung geht es deshalb nicht um die private Zeremonie von individuell Glaubenden mit wie auch immer geartetem Gottesbild vor schöner kirchlicher Kulisse, sondern um eine Segenshandlung an einem der wichtigsten Punkte menschlichen Lebens im Rahmen einer christlichen Gemeinschaft. Christlicher Glaube ist zutiefst Gemeinschaftsreligion. Jesus hat uns mit gutem Grund das Vater „unser“ gelehrt.

Berühmt ist in diesem Zusammenhang auch das Votum von Nikolaus Graf von Zinzendorf (+1760): „Ich statuiere kein Christentum ohne Gemeinschaft“.

Von daher ist es ein Widerspruch, einerseits an Jesus Christus glauben zu wollen und sich zugleich von der Gemeinschaft der Glaubenden zu trennen.

Eine solche individualistische Haltung ist zwar verbreitet, wird dadurch aber nicht richtiger.

Umso tragischer, wenn kirchliche Amtsträger diese Haltung durch ihr Mitwirken bestärken, indem sie sogar einem säkularen Philosophen, der der Überzeugung ist, dass das Christentum gescheitert ist, die Kanzel überlassen.